Eltern-Kind-Nachmittage
Eine Kooperation zwischen der Seelsorge der Justizvollzugsanstalt Münster und dem Chance e. V.
In einem zweiwöchigen Rhythmus werden Kinder von Inhaftierten zu einem über die regulären Besuchstermine hinausgehenden Treffen eingeladen. Durchführungsort ist der Kirchraum der Justizvollzugsanstalt Münster. An den Terminen nehmen in der Regel ein bis zwei Familien teil, sodass monatlich bis zu vier Familien mit dem Angebot erreicht werden. Zu Beginn der Treffen erfolgt ein wiederkehrendes Begrüßungsritual mit allen beteiligten Personen, bei dem auf die aktuellen Befindlichkeiten und Themen eingegangen wird.
Die Väter halten sich daraufhin mit ihrem Kind/ihren Kindern weiterhin im Kirchraum auf und können dort das im Vorfeld vorbereitete Spielangebot nutzen. Es wird jeweils ein vielseitiges Angebot entsprechend des Alters der Kinder vorgehalten. Dazu zählen neben Bastel- und Bewegungsimpulsen auch Gesellschaftsspiele oder Gesprächsanregungen. Während dieser Zeit obliegt die Aufsicht der Seelsorgerin der Justizvollzugsanstalt Münster. Mitarbeitende des Allgemeinen Vollzugsdienstes sind nicht anwesend, sodass die Väter mit ihrem Kind/ihren Kindern die Zeit in einer möglichst unbefangenen Atmosphäre verbringen können.
Parallel hierzu wird den Begleitpersonen der Kinder ein Gespräch im Vorraum der Kirche durch eine Mitarbeiterin des Chance e. V. angeboten. Bisher wurden alle teilnehmenden Kinder von ihren Müttern begleitet. Ebenso bestand auch die Paarbeziehung zwischen den jeweiligen Elternteilen fort, sodass sich die Begleitpersonen in ähnlichen Lebenssituationen befinden. Das freiwillige Gesprächsangebot wurde bisher von allen Begleitpersonen als intensives Entlastungsgespräch genutzt. Wenn zwei Begleitpersonen anwesend waren, fanden auch unter den Frauen selbst sehr wertschätzende und unterstützende Gespräche statt, bei denen nicht nur emotionale, sondern auch ganz praktische Hilfen angeboten und Tipps ausgetauscht wurden.
Zur Beendigung des Treffens kommen alle beteiligten Personen wieder im Kirchraum zusammen und die Kinder berichten gemeinsame mit ihren Vätern über das vorangegangene Zusammensein. Um die sich anschließende Verabschiedungssituation emotional aufzufangen und auch zeitlich einzugrenzen, wurde ein Plakat mit einer bunten Mischung an Vorschlägen zur Verabschiedungsart (bspw. Umarmung, Handschlag, Herumwirbeln) vorbereitet, aus der sich die Kinder und Begleitpersonen jeweils eines aussuchen dürfen. Die Kinder verlassen danach gemeinsam mit ihrer Begleitperson den Kirchraum.
Sobald die Kinder und ihre Begleitpersonen die Kirche verlassen haben, erhalten die Inhaftierten die Möglichkeit zum Austausch über das Treffen bzw. ihre Situation. Oftmals fühlen sich die Väter nach den Treffen aufgebracht, da sie zum einen die gemeinsame Zeit sehr wertschätzen und sie zum anderen die Verabschiedung sehr niederschlägt.
Über die regulären Vater-Kind-Nachmittage hinaus wird zwei Mal jährlich für alle Familien ein Wochenendtermin angeboten, bei dem auch die Begleitpersonen während des Beisammenseins in dem Kirchraum verbleiben und die Zeit sowohl für und mit allen Familien gemeinsam als auch im Verbund der einzelnen Familien gestaltet wird.