Philosophie

Als 1977 das Strafvollzugsgesetz in Kraft trat, wurde die Resozialisierung als Hauptziel der Freiheitsstrafe definiert. Dem Gesetz zufolge sollen Inhaftierte befähigt werden, "künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen" ( § 2 Strafvollzugsgesetz).

Voraussetzung dafür wäre ein Strafvollzug, der an die allgemeinen Lebensverhältnisse angeglichen ist und durch die Eröffnung von sozialen wie beruflichen Perspektiven auf die Entlassung vorbereitet.

Die Realität ist davon weit entfernt!

Die überwiegende Mehrheit der ca. 18.400 Inhaftierten in NRW verlässt das Gefängnis mit denselben Schwierigkeiten, die schon vor Antritt der Freiheitsstrafe einem Leben in sozialer Verantwortung entgegenstanden.
Für diese Menschen bedeutet die Inhaftierung einen gravierenden Einschnitt in ihr Leben mit zahlreichen negativen Folgen.

  • Die Inhaftierung hat in aller Regel den Verlust der Wohnung zur Folge. Damit droht Wohnungslosigkeit bei Haftentlassung.
  • Die Inhaftierung hat in aller Regel den Verlust des Arbeitsplatzes zur Folge.
  • Durch die Inhaftierung droht der Kontakt zur Familie und zu Freunden abzubrechen. Einsamkeit und Isolation können die Folge sein.
  • Die Inhaftierung bietet kaum Möglichkeiten, Schulden zu regulieren.
  • Die Inhaftierung fordert Anpassung an die Regeln in einer JVA. Verlust der Selbstständigkeit, des Selbstwertgefühls, der Privatsphäre, heterosexueller Beziehungen etc. sind häufig die Folge.


Unter diesen Vorzeichen ist die Aufnahme eines selbstbestimmten Lebens ohne Unterstützung von vornherein zum Scheitern verurteilt. Dies gilt umso mehr, da große Teile der Öffentlichkeit Haftentlassenen mit Vorurteilen und weiterer Ausgrenzung begegnen.

Diese Situation zu verändern, ist das erklärte Ziel des Chance e.V. Als Trägerverein für Projekte zur beruflichen und sozialen Integration Haftentlassener widmet er sich der Aufgabe, die Voraussetzungen für die Umsetzung des gesetzlichen Auftrages zu schaffen.